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Die Häuser und das Grab von Elisabeth Baumann in Gilwatsch

OLYMPUS DIGITAL CAMERALaut Familienüberlieferung wurde das obige Haus von Johann Lang, dem Ehemann von Elisabeth Baumann erbaut. Die Familie lebte in diesem Haus bis 1908, als es zur Schule umfunktioniert wurde und zog danach in das Gebäude der alten Schule, in das heute noch bewohnte Schmitzes-Haus.

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Das Grabstein wurde nach Jahren unlesbar, die Namen und die Geburtsdaten wurden mit Farbe nachgezeichnet. Die Fehler lassen sich aufgrund von fehlenden Quellen erklären, Johann Lang starb 1930 und der Mann von Valeria Lang hieß „Csomai“.

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Georg Haller – mein Verwandter

Georg Haller, der erste moderne bildende Künstler der Sathmarer Schwaben, ist 1883 in Terem auf die Welt gekommen. Als begabtes Kind muss er seinem Lehrer schon in der Grundschule aufgefallen sein. Auf Betreiben seiner Eltern (seine leibliche Mutter starb, als er ein Junge war) sollte er Priester werden. Nach der Grundschule vor Ort in Terem besuchte er das Königlich-Katholische Gymnasium in Sathmar. Anschließend war er ein Jahr lang in einem Priesterseminar. Nach diesem Jahr entschied er sich, gegen den Willen und ohne die finanzielle Unterstützung des elterlichen Hauses, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen.

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Abschlussklasse 1906
Nagymihályi Fiúiskola osztálykép
Als Lehrer in Großmichl

Er schreibt sich 1902 an der Königlichen Universität für Bildende Kunst und Pädagogik (Modellzeichenschule) für Zeichenlehrer in Budapest ein und studiert  vier Jahre bis zu seinem Abschluss 1906 hier. Auf dem linken Foto oben ist die Abschlussklasse Georg Hallers zu sehen. Troz widriger Lebensverhältnisse nach der Jahrhundertwende (es ist die Zeit der großen Auswanderungswellen in Ungarn) kann er seinen Lebensunterhalt bestreiten. Laut den Unterlagen der Universität lebte er dreieinhalb Jahre lang von einem Stipendium. Nebenbei verdingte er sich wie viele seiner Kommilitonen als Hauslehrer. Er war als Student und auch später als Absolvent unter anderem bei der Familie Dreher (Bierfabrikant) und der Esterházy-Familie, die ihren Sitz im Burgviertel hatte, engagiert. Seine späteren Stationen bis 1911 als Zeichlenlehrer führten ihn unter anderem wie oben auf dem Foto aus 1909 zu sehen ist, auch nach Großmichel. 1911 bekommt er eine gut dotierte Stelle als Zeichenlehrer in Budapest und lässt sich hier nieder.

Seine künstlerische Hauptschaffenszeit fällt in die Jahre zwischen 1906 und 1925. Er hat viele Stile seiner Zeit (Alföldi-Schule, Expressionismus, Impressionistische Schule von Nagybánya) ausprobiert bzw. wurde von diesen beeinflusst. Er hat vor Allem mit Öl- und Aquarellfarben gemalt. Im Gegensatz zu Künstlern seiner Zeit wie Czóbel Béla z.B. bleiben ihm Auslandsaufenthalte in den Zentren der modernen Kunst wie Paris oder München verwehrt. Auch sein relativ früher Tod 1934 trägt mit dazu bei, dass er und sein Werk in Vergessenheit geraten. Die erste Ausstellung nach seinem Tod fand 2009 an seinem Wohnort in Budapest-Tétény, dem damaligen Dorf und heutigen Vorort von Budapest statt.

Mathilde

Privatleben und Stammbaum

Er heiratete im Jahr 1907 die aus Siebenbürgen stammende Mathilde Hortoványi. Sie ist auf dem dritten Bild als Frau mit Kopftuch abgebildet. Die Ehe blieb kinderlos und seine Frau starb 1918. Vier Jahre später heiratet er die ebenfalls aus Terem stammende und 17 Jahre jüngere Maria Hirimli. Seine heute noch lebende Tochter Maria Magdalena Haller kommt  1931 auf die Welt. Wie ein richtiger Sathmarschwabe widmet er sich auch dem Hausbau. Er kauft 1926 ein Grundtstück im damalig selbständigen Budatétény und entwirft nach eigenen Plänen das Haus, das 1930 fertiggestellt wird und in dem bis heute die Nachkommen leben.

Als ich das Kirchenbuch aus Terem angeschaut habe, wollte ich nur feststellen, ob sich unter den Vorfahren des Künstlers auch solche finden lassen, die Kunsthandwerk betrieben haben. Wie der Kunsthistoriker Sándor Muhi bemerkt, ist es wahrscheinlich, dass schon die Vorfahren künstlerisch begabt waren und solche Berufe ausgeübt haben. Dieser Frage bin ich also nachgegangen und habe schon beim Geburtseintrag nicht schlecht gestaunt: Nicht der Beruf des Vaters hat mich verwundert, sondern der Name und der Herkunftsort der Mutter, der in Kirchenbüchern oft angegeben wird. Dass auf uns bei der Familienforschung immer Überrraschungen warten, ist die Regel.

Die Mutter Maria Baumann war auch eine Binnenmigrantin gewesen, sie stammte aus Wahlei. Meine Ururgroßmutter, Elisabeth Baumann ist auch aus Wahlei gewesen und 1869 auf die Welt gekommen. Das Verwandtschaftsverhältnis der beiden Frauen werde ich im August vor Ort in Sathmar ermitteln. Dass eine Verwandtschaft besteht, ist fast sicher, da alle Baumanns in Wahlei auf den Urvater Christophorus Baumann, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts gelebt hat, zurückführbar sind.