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Der oberschwäbische Werber Anton Elmajer (Ölmayer)

Der Schinaler Anton Elmajer stammte aus Heggbach und war im Dienste des Grafen Alexander Károlyi in der alten Heimat, um für eine neue Besiedlung im Komitat Sathmar zu werben und Geldangelegenheiten zu regeln. Mit ihm ging auch der ungarische Metzger Zarnóczy Lőrincz.

Nach Elmajer war noch ein anderer Werber des Grafen in Oberschwaben unterwegs. Über seine Person wissen wir nur,  dass er ein Ungar gewesen sein muss. Es sind uns aber sehr genaue Angaben über Orte mit Kalenderdaten erhalten, aufgrund dessen seine Reiseroute rekonstruiert werden kann. Er wandelte auf Elmajers Spuren, da dieser einige Tage vor ihm im Schwabenland angekommen war. Elmajer meldet sich am 7. Mai bei Oberamt Zeil (zwischen Leutkirch und Bad Wurzach) und nimmt Erbschaftsgeld in Höhe von 120 Gulden für den seit 1719 Schinaler Joh. Riedle aus Wengenreute mit . Sein anonymer Werberkollege ist am 7. Mai in Stain, in der Nähe von Elmajers Geburtsort Heggbach. Nach 40-tägigem Aufenthalt tritt Elmajer am 05. Juni die Rückreise von Ulm an. Sein anonymer Werberkollege tritt die Reise eine Woche später am 12. Juni an.

Elmajer nennt die Städte und Orte zwar nicht, aber er legt auch Rechenschaft über seine Ausgaben ab. So sind uns von den zwei Werbern des Jahres 1720 wertvolle Informationen erhalten: von Kosten für Übernachtungen, Fahrten bis zu den Druckkosten für die Werbezettel.

Chronik der Reise des anonymen Vorgängers 1720:

  • 15. April Pressburg
  • 18. April Wien, drei Tage Wartezeit für den Pass
  • seit dem 20. April mit Ulmer Schiffern unterwegs, Passau, Straubing, Neustadt, Ingolstadt und Neuburg, öfter an Land gegangen und kürzere Strecken mit dem Pferd zurückgelegt
  • 30. April Ulm
  • 1. Mai Ochsenhausen und in Ringschnait
  • 3.-6. Mai in Biberach
  • 6. Mai Ellmannsweiler
  • 7. Mai Stain
  • 8. Mai Laupertshausen
  • 9. Mai Schweinhausen
  • 10. Mai Waldsee
  • 12. Mai Weingarten, zu Gast bei den Benediktinern
  • 18. Mai Maselheim
  • zwischen 18.-29. Mai in Heggbach, bei den Nonnen des Zisterzienser-Ordens
  • 2.-3. Juni in Biberach „Druck von Novellen“
  • 6. Juni in Salem
  • Übersetzung des Károlyi-Briefes in deutsche Sprache, Anfertigung einer Kopie und Verbreitung des Flugblattes
  • 7. Juni auf dem Weg nach Ulm, in Messkirch
  • 8. Uigendorf
  • 9. Ersingen
  • 11. Gutenzell
  • 12. Ulm
  • 15. Juni Aufbruch in Ulm mit den angeworbenen Siedlern
  • 16. Juni Neuburg, Ingolstadt
  • 17. Juni Regensburg, Straubing
  • 19. Juni Passau
  • 20. Juni Linz
  • 22. Juni Wien, zweitägige Pause
  • 24. Juni Pressburg, zweitägige Pause
  • 26. Juni Komarom
  • 28. Juni Buda bzw. Pest, drei Tage Aufenthalt
  • auf Pferdewägen weiter nach Großkarol

Alle Daten über die Chronik sind aus entnommen.

 

Familienforschung und Genealogie bei den Sathmarer Schwaben

Im Falle der Sathmarer Schwaben ist die Familienforschung besonders interessant, da die neuen Siedler größtenteils aus einem Gebiet, aus Oberschwaben eingewandert sind. Nur ein kleiner Teil der Siedler stammte aus Franken, dem Schwarzwald und der Schweiz. Falls die Urahnen gefunden werden können, im Falle eines vollständigen Stammbaumes sind es in jedem Fall einige, besteht die Chance, die Familienforschung bis zum dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zu vertiefen. In den meisten Fällen, sind die Kirchenbücher im dreißigjährigen Krieg  zerstört worden (Verzeichnis der Kirchenbücher im Kreisarchiv Biberach). Mit den Angaben aus den Kichenbüchern kann man entfernte Verwandte auch in der alten Heimat ausfindig machen. Sehr interessante weiterführende Informationen sind auf der Seite der Forschergruppe Oberschwaben zu finden.

Die ersten Aufzeichnungen des Grafen Alexander Károlyi gaben über den Herkunftsort, Familienstand und Geldwerte der neuen Siedler Auskunft. Wie so oft der Fall ist, ließ die Präzision im Laufe des 18. Jh. zu wünschen übrig, die Daten über die Neuankömmlinge wurden ungenauer oder sie wurden gar nicht erfasst. In diesen Fällen waren die Kirchenbücher die wichtigsten Quellen, wobei der Geburtsort in der alten Heimat zumeist nicht angegeben wurde. In den 70-er Jahren des 20.Jh. hat der Jurist und Historiker Werner Hacker alle Auswanderer in den Archiven Baden-Würtembergs recherchiert, sodass die Ahnen bis auf einige Ausnahmen (wenn sie aus Franken oder der Schweiz stammen oder die Archivmaterialien verloren gegangen sind) darin zu finden sind. Sollte ein Name oder Person fehlen, kann das Standardwerk von Vonház István zurate gezogen werden. Es gibt Namen, die in beiden Grundlagenwerken fehlen: der Name Holzberger z.B. kommt in keinem der Werke vor. Ein wichtiger Grund für das Fehlen der Namen in der Liste, könnte der Zuzug aus anderen deutschsprachigen Gebieten, wie z.B. der Zips sein.

 

 

 

Dekan Johann Holzer und Schinal

Es ist früher in angenommen worden, dass Pfarrer Holzer 1712 mit den ersten Siedlern in Sathmar eingetroffen sei und danach die Schinaler betreut habe. Dem ist entgegenzuhalten, dass  Pfarrer Johann Holzer 1695 in Weiden am See (am Neusiedler See) geboren ist und erst 1721 die Priesterweihe empfangen hat. Er hat ab dem 22. Oktober 1722 die neu gegründete Pfarrei in Schinal übernommen und 55 Jahre bis zu seinem Tod am 11. Dezember 1777 hier gedient.

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